Akademie der Eltern: Was wollen kooperative Elternschulen?

Unten stehendes afrikanisches Sprichwort wird in pädagogischen Fachkreisen gerne bemüht, um die Wichtigkeit einer Gemeinschaft für die Entwicklung von Kindern zu unterstreichen.. Darum geht es letztlich auch bei dem Projekt der ELTERNSCHULE, allerdings übersetzt vom tradierten Dorf auf heutige gesellschaftliche Verhältnisse, und ohne die Kinder beliebig von Betreuungsstation zu Betreuungsstation herumzuschubsen.

Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

Afrikanisches Sprichwort

Wir wollen die Aufzucht unserer Kinder aus ihrer nur „störenden“ Randrolle herausholen und wieder in die Mitte unserer Gesellschaft rücken, als deren wichtigste Quelle unserer kulturellen Vielfalt und des gesellschaftlichen Reichtums. Indem wir die verkopfte Bildungs- und künstliche Betreuungsmaschinerie wieder auf die natürlich tragenden Beine der Eltern stellen! Dazu gehören viel Herz und Verstand, die sich die Eltern im Zusammenspiel mit den Kindern und Lehrern in der KOOPERATIVEN ELTERNSCHULE ausbilden– auch mit dem Fernziel, sich als Eltern mit dem Flüggewerden der Kinder in der Erwerbswelt wieder mehr Fuß zu fassen.

Verliert der Wertekanon der Familie seinen Glanz?

Wie aber lässt sich eine solch sprichwörtliche, vielfältige erzieherische Gemeinschaft auf eine engmaschig getaktete Kleinfamilie mit Doppel- oder gar Dreifachbelastung (Beruf/Haushalt/Pflegefall) übertragen? – Spätestens an diesem schmerzhaften Druckpunkt, droht der, in politischen Sonntagsreden so gerne hochgehaltene, Wertekanon einer abendländisch-christlichen Familie deutlich seinen Glanz zu verlieren. Aber auch der unerschütterliche Glaube vieler engagierter Frauen in die vorgeblich grundsätzliche Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der Ruf zurück in die 50iger ist so verstörend wie unrealistisch

Wen wundert es da, wenn Der Spiegel am 14.08.2025 titelt: „Traumjob Hausfrau? Warum sich Mütter wieder für Küche statt Karriere entscheiden.“ – Die  Familienpolitik der AfD wittert  gar „eine gottlose Zeitgeistgesellschaft …, (die) Frauen in die Erwerbstätigkeit (zwinge).“ (Nicole Höchst, kirchenpolitische Sprecherin und MdB der AfD, in Reschke-Fernsehen 24.07.2025). Und die AfD Niedersachsen liefert dazu das passende Frauen herabsetzende Geschlechterbild: „Die ideale Frau betreut Kinder … Männer machen Karriere und Frauen Hausarbeit.“ (dito.).

Allerdings besteht eine solche, ob liberal oder rechtsradikal, angedachte, „Hausfrauenoption“ sowieso nur für reiche oder wohlhabendere Haushalte, die mal so auf ein Gehalt verzichten können. Mit allerdings dem hohen Preis für die Hausfrau bzw. -mann, sich in eine Bedeutungsnebenrolle einzufügen und in erhebliche Abhängigkeit vom Partner zu geraten.

Care- und Erziehungsarbeit benötigt eine hohe gesellschaftliche Anerkennung

Um tatsächlich Kindern und Eltern ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, kann es nicht angehen, dass familiäre Care-Arbeit weiterhin nur als „Gratis-Liebesdienst“ für die eigene Familie wahrgenommen wird. Vielmehr stellt sie einen unschätzbaren Beitrag zur Reproduktion und damit zur Weiterentwicklung der Gesamtgesellschaft dar, die höchste Anerkennung auch von Wahlkinderlosen verdient. Folgerichtig auch eine adäquate Vergütung!

Mütter verlieren oft faktisch mit der Niederkunft Versorgungsansprüche und ihre Gleichberechtigung

Es stoßen aber auch die in Jahrhunderten erkämpften Frauenrechte auf Gleichberechtigung, freie Berufswahl und adäquate Chancenentwicklung an ganz profane Grenzen der extrem verdichteten 7-Tage-Arbeits- und Familienwoche berufstätiger Mütter. Mit dem Gebären werden diese Rechte, wie von Geisterhand gesteuert, faktisch gerade wieder kassiert, mit der Folge geringerer Berufs- und Verdienstchancen und damit kleinerer Rentenansprüche.

Die Aufgabe des Familiensystems: „Produktion und Erziehung des Personals“

Für den Migrations- und Bildungssoziologen, Prof. El-Mafaalani an der TU Dortmund, steht fest: “Tatsächlich ist die wichtigste Aufgabe des ‚Familiensystems‘ die Produktion und die Erziehung des Personals für die anderen Systeme … der Arbeitswelt.“ (El-Mafaalani et alteres: „Kinder – Minderheit ohne Schutz“, Seite 36).

El-Mafaalani, der u.a. auch die niedersächsische Kultusministerin, Julia Willie Hamburg, berät, differenziert feinsinnig: Einerseits in den „Aufbau des Humanvermögens, das Kinder (überhaupt erst) bildungsfähig macht“ (dito. S. 43) und von den Familien bislang gratis geliefert wird.

So leisteten Frauen 2022 durchschnittlich 30 Stunden, Männer 21 Stunden Wochen-Care-Zeit. Frauen kamen so auf insgesamt 72.000.000.000 verdienstfreie Stunden im selben Jahr (Der Freitag, 22.05.2025), die sich auf ein bis zwei Billionen EURO pro Jahr aufsummieren – je nach zugrunde gelegten Mindest- oder Durchschnitts-Stundenlöhnen samt Lohnnebenkosten. – Nur um die ungeheuerliche Dimension dieses Gratistransfers in das gesellschaftliche Humanvermögen besser ein zu schätzen: Der aktuelle Bundeshaushalt für 2025 umfasst mit einer halben Billion € „nur“ die Hälfte dieser Aufsummierung, wenn nur der Mindestlohn bei der Elternarbeit ohne Lohnnebenkosten zugrunde gelegt wird!

Andererseits, so El-Mafaalani, sei „der Aufbau von Humankapital … im Wesentlichen Aufgabe des Bildungssystems“ (dito. S. 43), das staatlich, also durch die Allgemeinheit, finanziert wird. So bleiben an den Unternehmen selbst, als den Hauptprofiteuren des gesamten Erziehungs- und Ausbildungssystems, neben ihren Unternehmenssteuern, nur die Kosten für optionale betriebliche Ausbildungsgänge hängen, soweit diese nicht in den staatlichen Räumen der Berufsschule stattfinden.

Mütter in Vollzeit! – Kinder in die Baby-Boomer-Betreuung!

Geht es nach dem Willen der neuen Bundesregierung, sollen aber möglichst viele Mütter ganz schnell aus der Teilzeit in Vollzeitjobs gebracht werden, denn die Privatwirtschaft vermeldet einen kaum stillbaren Hunger auf Fachkräfte.

Was schlägt dazu der Bildungsberater El-Mafaalani der Politik vor? – Die jetzt in Rente gehende Baby-Boomer-Generation soll bei der Kinderbetreuung einspringen. Prof. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und Professor für Makroökonomie, Humboldt-Universität zu Berlin., springt jetzt dem Soziologie- und Pädagogikexperten bei mit der Idee eines Pflichtjahres für Baby-Boomer im Rentenstatus.

Wie gut sich doch wirtschaftliche Interessenspolitik im Gewand der vorgeblich neutralen Wissenschaftlichkeit verstecken kann?!

Englisch muss zweite Amts- und Schulsprache werden!

Warum nicht statt dieses Rückgriffs auf die Mütter ausländischen Fachkräften und deren Kindern die Migration und Integration zu erleichtern, in dem Englisch als zweite Amtssprache zugelassen wird? In der ELTERNSCHULE könnten als schwieriger empfundene Fächer, wie Mathe oder Physik, durch die ELTERNSCHULE in Englisch rekapituliert werden unter z.B. der Anleitung international arbeitender Techniker-Väter/Mütter, Angestellten im Export aus der Elternschaft: oder gleich Erwerbstätigen mit migrantischem Hintergrund und verwertbaren Englischkenntnissen. – Die gegenseitige Integrationsleistung wäre immens!

Praxisbezug unerlässlich. Eltern besitzen kollektiv einen enormen Wissens- und Erfahrungsvorsprung gegenüber den Schulen

Tatsächlich besitzen die Eltern aller schulpflichtigen Kinder kollektiv ein so gigantisches Ausbildungs- und Erfahrungspotenzial, Wissensressourcen  und Erfahrungen in theoretischer und praktischer Hinsicht, wie dies von Schulen nicht im Entferntesten abgebildet werden kann. Deshalb muss die ELTERNSCHULE diese Quellen für die Schülerschaft und sich selbst anzapfen und kreativ nutzen.

Die ELTERNSCHULE versteht sich nicht als geteilt in Unwissende und Wissende, sondern als eine Einheit gemeinsam Lernender; nur vielleicht mit unterschiedlicher Autorität.

Eine Vision der Akademie der Eltern und der ELTERNSCHULEN

Die Einkommens- und Wohlstandsschere spiegelt sich im Bildungssystem – SchülerInnen wehren sich

Gleichzeitig implodiert seit Jahren das deutsche Bildungssystem, während teuerste Privatschulen wie verrückt boomen.

Reiche Eltern für Alle!

Parole auf einem Pappschild einer Schülerdemonstration in Düsseldorf, Sommer 2025

SchülerInnen demonstrieren in Düsseldorf gegen die Ungerechtigkeit des Schulsytems und dessen soziale Selektion.

ELTERNSCHULEN können durch interaktive Diskussionen die Lesekompetenzentwicklung entwickeln

Viertklässler können heute weniger gut lesen als noch vor fünf Jahren, zeigt die aktuellste Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU 2021), die alle fünf Jahre durchgeführt wird.

Hochschullehrer beklagen, dass Studenten der Generation Z oft mit dem Lesen mehrerer Bücher im Semester überfordert sind, weil sie in ihrer Schulzeit nur unzureichend literarische Diskussionskultur erleben durften. Denn auf diesem Weg können Schüler und Studenten leichter unterschiedliche Sichtweisen und Interpretationen aufnehmen und verstehen, was wiederum zu einer stärkeren Lesemotivation führt.

Die ELTERNSCHULEN können durch interaktive Diskussionen die Lesekompetenzentwicklung entscheidend verbessern, denn erst, wenn Schüler miteinander über das sprechen, was sie gelesen haben, erkennen sie, dass es alternative Interpretationen gibt.

Das ungerechteste Schulsystem der Welt

Überdies ist das deutsche drei-gliedrige Schulsystem „das ungerechteste, das ich kenne!“, sagt der international wohl renommierteste Bildungsexperte, Prof. John Hattie aus Neuseeland. Denn es legt den Selektionszeitpunkt schon auf das Ende der 4. Klasse und besteht auf leistungsmäßig homogenen Klassen.

Es folgt so Kanalisierungsfunktionen, um die Reproduktion von akademischen Schichten durch Gymnasien und divergierenden sozialen Herkunftsfaktoren zu verstetigen.

Durchlässigkeit erfordert dagegen Diversität und gemeinsame kooperative Lernanstrengungen von Lehrer- und Elternschaft, kombinierte Unterrichtung von leistungsstärkeren mit –schwächeren Schülern, wie dies von der ELTERNSCHULE angestrebt wird. Eine Oberstufe an der IGS ist deshalb unabdingbar, wie sie auch von den Eltern der 4. Klasse der Grundschule Kunterbunt gefordert wird.

Eltern nehmen treuhänderisch die Grundrechte ihrer Kinder wahr

Warum beziehen wir uns so stark auf die Eltern und nicht auf die staatlichen „Profis“? – Wir beziehen uns dabei auf das Grundgesetz, Artikel 6 und 7, und deren Auslegung durch das Bundesverfassungsgericht: „Das Elternrecht als natürliches Menschenrecht beruht auf der Annahme, dass diejenigen, die einem Kind das Leben geben, von Natur aus bereit und berufen sind, die Verantwortung für seine Pflege und Erziehung zu übernehmen.“ (BVerfGE 24, 150) und dass die Interessen des Kindes am besten von Eltern wahrgenommen werden.“ (BVerfGE 34, 184).

ETERNSCHULEN wollen genau diesen Auftrag des Grundgesetzes als Gemeinschaft der Eltern professionell umsetzen und damit mit den staatlichen Schulen auf Augenhöhe kooperieren, um die Schülerschaft optimal zu fördern.

Wie organisieren sich die kooperierenden Elternschulen? Wie ist die Vorgehensweise und Zusammenarbeit mit den Schulen? Welche ersten Aufgaben haben wir uns gestellt?

Unsere Initiative ist noch sehr jung und befindet sich in einer Art „Vorschulalter“. Gestartet wurde mit einem einstimmigen Beschluss der Elternschaft der ehemaligen 3. Klasse (inzwischen 4.Klasse) an der Grundschule „Kunterbunt“ in Steinhorst, für die Einführung einer Oberstufe an der IGS in Wittingen. Auf Grundlage dieses Beschlusses wurden mit der Schulleitung der IGS Wittingen Gespräche aufgenommen, wie die Initiative die IGS bei der Umsetzung unterstützen kann.

Grundschule „Kunterbunt“ in Steinhorst: Die Eltern der zwischenzeitlich 4. Klasse wollen die vollständige Durchlässigkeit der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Wittingen. Deshalb fordern sie eine Oberstufe!

Sehr schnell fand auch ein interessierter Austausch über die Idee einer ELTERNSCHULE statt, die der Vertreter der Grundschule, Gero Hoffmann, vorgetragen hatte. Nur wenige Wochen später präsentierte Herr Hoffmann sein Konzept auf Einladung der Schulleitung vor den Elternräten der IGS. Auf unserer Startseite berichten wir über dieses Ereignis unter dem Titel: „Präsentation des Elternschulprojekts an der IGS in Wittingen.“ (bitte zum 3. Artikel herunterscrollen); die dort gehaltenene Präsentation finden Sie hier: Präsentation des Elternschulprojekts an der IGS in Wittingen

Die Organisation der zukünftigen ELTERNSCHULEN

Erste Netzwerke, Elterninitiativen oder Foren entstehen gerade neben Wittingen und Steinhorst in Lüneburg, Lüchow-Dannenberg und Salzgitter. Wir halten Kontakt zu MitstreiterInnen und Sympathisanten bis nach Heidelberg und Bad Honnef. Das Ziel ist der Aufbau von kooperativen ELTERNSCHULEN.

Als Ideengeber, Ausbilder, Berater, politischer Motor und Back-Up soll die Akademie der Eltern mitwirken, die auch mit der KVHS Wittingen eine Zusammenarbeit eingegangen ist, um recht bald ein entsprechendes Elternkursprogramm anzubieten.

Akademie der Eltern

zur Förderung kooperativer Lerndynamiken, äquivalenter Chancenentwicklung, Strategien der Lebensplanung und Selbstermächtigung von Kindern und Jugendlichen.

Der Name ist das Ziel der Akademie: Sie soll die verschiedenen Elterninitiativen beim Aufbau der ELTERNSCHULEN unterstützen. Zunächst soll interessierten Eltern eine adäquate Ausbildung in Mediation und Moderation bereitgestellt werden..

Eine erste kooperierende ELTERNSCHULE soll noch dieses Jahr an der IGS Wittingen durchstarten. Die folgenden drei Aufgabensäulen liegen mittelfristig in unserem Fokus:

1.   ELTERNCOACHING 

2.   DYNAMISCHES CO-LEARNING von SCHÜLERN, ELTERN und LEHRERSCHAFT

3.   FAMILIENAUFSTELLUNGEN ZUR ZUSAMMENFFÜHRUNG VON FAMILIEN ALS BEHANDLUNG VON LERNSTÖRUNGEN UND VERHALTENSAUFFÄLLIIGKEITEN.

Die einzelnen ELTERNINITIATIVEN definieren selbst, was sie aus diesem Spektrum der Akademie aufgreifen oder darüber hinaus angehen.